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Montag, 9. November 2009
Donnerstag, 5. November 2009
RTL führt Hartz IV Familien wie Straftäter vor

Wenn Buschkowsky HartzIV-Betroffenen unterstellt, sie würden das Betreuungsgeld ohnehin nur versaufen, die Kanzlerin dazu lediglich sagt, das sei nicht ihre Sprache und die Medien fast einmütig feststellen, das solle man so zwar nicht sagen, aber im Kern hätte er Recht, dann muss man sich fragen, wie so etwas möglich ist.
Ein Bericht des RTL-Magazins Explosiv ist ein prädestiniertes Beispiel, um aufzuzeigen, wie seit Jahren durch Manipulation Millionen Menschen diskriminiert werden und als Ergebnis ein ganz bestimmtes Bild dieser Menschen in den Köpfen der Übrigen entsteht.
Explosiv machte den ultimativen Test
Versaufen sie ihr Geld – oder versaufen sie es nicht
Zunächst werden vier Frauen befragt, was sie mit dem Betreuungsgeld machen würden.
„Ja, scheiß auf die 150 Euro. Mir ist lieber, mein Kind ist in geordneten Verhältnissen untergebracht, als auf der Straße.“
„Kinderschuhe und so was endlich mal holen. Also, ich hab ja schon gehört davon. Aber zum versaufen auf jeden Fall nicht. Es fehlt an allen Ecken und Enden.“
„Da gibt’s natürlich auch schon ein paar Ausnutzer, klar. Die da mit Sicherheit anderweitig ihr Geld missbrauchen.“
„Für mich ist das einfach unterste Schublade, weil: Kinder ist an erster Stelle. Weil, wenn man sich schon entscheidet, Kinder zu bekommen, dann sind die Kinder an erster Stelle und man tritt zurück.“
Dann werden 3 HartzIV-Familien jeweils 150 Euro geschenkt, um zu testen, wofür diese das Geld ausgeben. Ob für ihre Kinder oder für Alkohol. Das nüchterne Fazit in Bezug auf Alkohol der mit versteckter Kamera aufgenommenen Einkäufe.
1. Familie: 1 Sixpack Biermischgetränk, Preis wahrscheinlich unter 3 Euro
2. Familie: 4 Flaschen Biermischgetränk, Preis wahrscheinlich unter 2 Euro
3. Familie: 1 Flasche Sekt, Preis wahrscheinlich 3-4 Euro
Fazit: Von 450 Euro wurde rund 8 Euro für Alkohol ausgegeben.
Ergebnis dieses nicht repräsentativen Tests: Buschkowsky redet Scheiße! Keiner der Befragten würde das Betreuungsgeld versaufen und auch die drei Testfamilien, die jeweils 150 Euro geschenkt bekommen, einfach so, haben hiervon gerade mal 2 % für alkoholische Getränke ausgegeben. Ein weit unterdurchschnittlicher Wert des normalen Konsumverhaltens durchschnittlicher Verbraucher.
Damit wäre die Sache gelaufen. Aber halt nicht im Fernsehen gesendet worden, erst recht nicht bei RTL. Also wird der Bericht aufgemotzt, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen: Die Absichtserklärungen der Befragten, ihre Kinder in die Kita zu schicken, waren Lügen und das Betreuungsgeld, dass sie stattdessen erhalten würden, würde zu einem großen Teil versoffen.
Also motzt die selbsternannte Stasi die Fakten auf.
1. Familie:
Verdreckte Hausflure, um schon mal negativ einzustimmen, flüchtiger Blick in ein unaufgeräumtes Zimmer. Kamera zoomt auf einen Tisch, auf dem viele Getränkebehälter stehen. Aber so kurz, dass man nicht erkennen kann, was dort steht. Erst wenn man das Bild anhält, sieht man, dass hier weder Bier noch Schnaps, noch andere alkoholische Getränke stehen. Es soll durch diesen Blitzzoom suggeriert werde, hier hätte am Abend vorher ein Saufgelage stattgefunden.
Anfangskommentar: „Sie und ihr Mann, der um die Mittagszeit noch im Bett liegt, sind arbeitslos.“ Der Hinweis auf den in der sozialen Hängematte schlafenden faulen Mann durfte natürlich nicht fehlen.
Die Mutter wird gefragt: „Wenn wir Ihnen 150 Euro geben, was würden sie damit machen?“
Bei der Kontrolle des Einkaufs, wird das Paar herrisch aufgefordert: „Zeigen Sie mal!“
Gleichzeitig läuft der Kommentar: „Wir werden dreist belogen.“
Aus Angst, wegen der laufenden Kampagne gegen HartzIV-Betroffene in die Schublade der versoffenen asozialen Unterschicht gesteckt zu werden, hatte der junge Mann nur eine Flasche des Mixgetränks angegeben. Nachdem er mit den mit einer versteckten Kamera gemachten Aufnahmen seines Einkaufs konfrontiert wird, gibt er es zu und erklärt, er habe sich geschämt. „Bei den ganzen Vorurteilen habe ich mir gedacht, wie sieht das denn im Fernsehen aus, wenn hier ein Sixpack steht, ganz ehrlich.“ Kommentar: „Ehrlich sieht in unseren Augen anders aus.“
2. Familie:
Kommentar nach dem Einkauf: „Auch hat Frau X hat Biermischgetränke zum Feiern eingekauft, angeblich bloß drei Stück.“ Vorhalt: „Das ist jetzt aber nicht fürs Kind, oder?“
Nach weiterem Insistieren, ob diese drei Flaschen alles gewesen sei, wird eine Taschenkontrolle durchgeführt und eine vierte Flasche gefunden. Fazit: Beim Lügen erwischt!
3. Familie
Kommentar: „Sie sind die ersten, die mit ganz offenen Karten spielen.“ Sie legen den Einkaufszettel vor und erzählen, was sie alles gekauft haben.
Kommentar: „Doch dann sehen wir eine Flasche Sekt.“ Der investigative Journalist hat eine sensationelle Entdeckung gemacht.
Vorhaltung: "Sie haben ja doch Alkohol gekauft. Ist das auch fürs Kind?“
Die werdende Mutter erklärt, diese Flasche sei zum Anstoßen, wenn das Kind da ist.
Schlusskommentar: „Das Explosiv-Experiment hinterlässt uns ein wenig nachdenklich. Von drei Familien, denen wir ein symbolisches Betreuungsgeld gegeben hatten, haben uns zwei nicht die ganze Wahrheit erzählt. Alkohol haben sie alle gekauft. Aber angeblich nur, weil sie den unerwarteten Geldsegen von 150 Euro begießen wollten.“
So kann man mit übelsten Methoden die Fakten einer Recherche so verdrehen, dass beim Zuschauer genau das Gegenteil ankommt. Die menschenunwürdige Behandlung der Familien – verdeckt observiert, herrisch verhört, als seien sie Verbrecher einschließlich Taschenkontrolle – sei hier nur am Rande erwähnt.
Schade, dass die Reporter nicht mit versteckter Kamera verfolgt wurden. Vielleicht haben sie sich aufgrund ihres erfolgreichen Drehs erst mal anständig besoffen. Das war den Familien mit ihren Einkäufen nicht möglich. Aber sie haben ja wahrscheinlich auch nur einen Bruchteil des Reporterhonorars für diesen Bericht bekommen, damit sie öffentlich vorgeführt werden können.
Der Explosiv-Bericht: http://www.rtl.de/tv/tv_993377.php
Samstag, 17. Oktober 2009
Hartz IV: Arbeitslosigkeit ist keine Selbstschuld !
von Grilleau @ Freitag, Okt. 16, 2009 – 18:26:51
Tach auch,
es gibt nicht genug Arbeit für alle! Diese Erkenntnis sollte sich jeder vor Augen führen, bevor er arbeitslose Menschen diffamiert! Wichtig ist dabei, zu berücksichtigen, dass man in den meisten Fällen von Erwerbsarbeit spricht.
So ist die Erwerbslosigkeit eher systembedingt. Zwar gibt es einen kleinen Teil von Arbeitslosen, die zu allen Zeiten in der Bundesrepublik Deutschland lieber sich vom Staat ernährten, doch der größte Teil definiert sein Dasein über seine Erwerbstätigkeit. Nun läuft seit mindestens einem Jahrzehnt, wenn nicht noch länger, eine Kampagne, die gezielt erwerbslose Menschen an den Rand der Gesellschaft drängt.
Während in der Arbeitswelt sich längst breit gemacht hat, das jeder ersetzbar ist, wird in den Betrieben, allen voran in der Industrie immer mehr darauf gesetzt, möglichst dumme Arbeitskräfte einzustellen. Schließlich ist der Markt groß, aus dem man sich bedienen kann. Und schließlich fehlt es überall an Arbeitskräften, insbesondere im öffentlichen Dienst.
Ob Polizisten, Krankenschwestern, Lehrer oder Feuerwehrleute, es gibt schließlich genug Arbeit! Dabei schlägt die Arbeitbelastung bei jedem Einzelnen immer härter zu. Besonders psychische Krankheiten breiten sich immer mehr aus, weil die Arbeitsbelastung immmer größer wird und von jedem Einzelnen immer mehr verlangt wird. Ist dieses Potenzial ausgeschöpft, wird dort, wo es möglich ist, Maschinenkraft eingesetzt und die ausgelaugten Arbeiter sehen sich auf der Straße wieder.
Damit schön weiter ein Bild des Sozialschmarotzers geschürt wird, treten Leute, wie Sarrazin, Clement und viele andere Politiker mit Sprüchen auf, die diese Kampagne befeuern. Die Kampagne ist auch keine Verschwörungstheorie, die man heraufbeschwören könnte, sie fusst vielmehr auf eben der Erkenntnis, dass es schlicht nicht genug Erwerbsarbeit gibt!
Der gute Deutsche Facharbeiter braucht sich auch nicht zu wundern, warum sein Reallohn immer weiter sinkt und die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden. Will man doch gute Deutsche Wertarbeit, die weiterhin gut auf dem Weltmarkt bezahlt wird, zu Asiatischen Arbeitsbedingungen haben, wobei eben der Profit nur noch auf einer Seite steigt.
Es ist doch phenomenal, dass während der größten Krise in den USA der Dow Jones schon wieder die 10.000er Marke erreicht hat, während es eine stetig steigende Zahl von Massenarbeitslosigkeit dort gibt. Nicht viel anders sieht es in Deutschland aus. Während schon für das nächste Jahr wieder Aufschwünge prognostiziert werden, soll aber die Arbeitslosigkeit steigen! War hier in diesem Blog nicht auch vor Wochen schon zu lesen, dass die Konzerne die Krise nutzen werden, um überflüssige Arbeitsplätze abzubauen?
Es geht darum, dass immer mehr Menschen für die Arbeitsprozesse gar nicht mehr gebraucht werden, obwohl die Unternehmensgewinne weiter sprudeln. Diese Menschen, die so in Erwerbslosigkeit getrieben werden, sollen dabei auf billigste Art und Weise versorgt werden und damit sie nicht aufbegehren, verpackt man das ganze in eine solch zwielichtige Gesetzgebung, dass nicht nur der Deutsche Michel sich dem ergibt, sondern auch die Sachbearbeiter und Fallmanager kaum noch Durchblick haben. Durch Schikane werden die Betroffenen noch so eingeschüchtert und dadurch dass sie kaum Geld zum Überleben haben, zieht sich der größte Teil in seine eigenen vier, immer bescheidener werdenden Wände zurück.
Weil der Deutsche Michel sich eben über seine Erwerbstätigkeit und sein Einkommen definiert, verhält er sich zurückhaltend, weil er Angst um seinen Job hat. Schließlich stehen millionen Menschen vor der Tür, die ihn ersetzen können. Weiterbildung im Beruf, Fortbildung, wo es nötig ist, findet dabei kaum noch statt. Wenn junge Leute nicht gerade in Ausbildungszentren zu Floristen, Lagerarbeitern und Kosmetikerinnen ausgebildet werden, gibt es eine Reihe von jungen, gut auf dem neuesten Stand ausgebildeten Arbeitswilligen, die sofort als Ersatz für diejenigen dienen, die den Strukturen und Veränderungen nicht standhalten können.
Ein Sarrazin könnte sich sicherlich gut vorstellen, dass irgendwann nicht 20 Prozent, der Erwerbstätigen zu Hause sitzen, sondern 80 Prozent, auf die er dann schimpfen könnte und die von Polizei und Budneswehr gut bewacht ihr Dasein fristen, vermutlich abgespeist mit 500 Euro bedingungslosem Grundeinkommen!
Wenn man die Dinge so betrachtet, ist an der Arbeitslosigkeit nicht der Arbeitslose schuld, wie dem Michel ja all zu gerne verkauft wird, sondern eben dieses System. Es interessiert den Manager von heute nicht mehr, dass seine Ware möglichst lange verkauft wird und das es vor allem im eigenen Land auch eine Kaufkraft gibt, die sich noch etwas leisten kann, wie es früher die alten Kaufleute noch taten. Die Manager von heute suchen ständig nach neuen Konzepten und Entwicklungen, die sie verkaufen können und dabei interessiert sie nur noch der Weltmarkt und wie man schnell viel Geld machen kann.
Leider ist solch ein System auf Dauer nicht geeignet, eine Gesellschaft, wie die unsere, in der das Sozialstaatsprinzip durchs Grundgesetz verbrieft ist, zusammenzuhalten. Es braucht nicht viele Prozentpunkte an Erwerbslosen mehr, dass sich die Verhältnisse in unserem Land so destabilisieren, dass das viele Geld den Mächtigen und Reichen nicht mehr reicht, um ruhig in unserem land leben zu können.
Dieses neue Gesellschaftbild passt nicht zu unserem Land! Doch dazu passt, dass man gute Bildung für Masse vernachlässigt und nur noch Eliten fördert. Viele gut verdienende Eltern steigen darauf ein und schicken ihre Kinder auf Privatschulen, auf denen sie genau auf dieses neue Gesellschaftsbild des reinen Provitdenkens vorbereitet werden. Kultur, alte Kaufmannstraditionen, der Zusammenhalt in der Gesellschaft, Politikinteresse und die Tradition, weltweit das beste Ausbildungssystem gehabt zu haben, gehen durch eine ständige Internationalisierung von Standarts und nicht zuletzt durch Privatisierung, aufrund dieses Provitdenkens den Bach runter, was man gerne dann als Strukturwandel bezeichnet.
Schönen Tach noch...